Migräne Teil 2
- vor 3 Tagen
- 3 Min. Lesezeit

Ob Wetterwechsel, hormonelle Schwankungen oder der klassische Urlaubsbegin die Liste der Migräne-Auslöser ist lang. Doch in der ganzheitlichen Komplementärmedizin zeigt sich eine überraschende Parallele: Während es viele verschiedene Auslöser gibt, lässt sich oft eine zentrale Ursache im Körper ausmachen eine energetische Krise durch Unterzuckerung (Hypoglykämie) in Kombination mit erschöpften Nebennieren.
Hier erfährst du, wie Stress, Hormone und Ernährung im Stoffwechsel zusammenspielen und was du im Akutfall sowie zur Vorbeugung tun kannst.
Der Pathomechanismus: Wie die „Energiekrise“ im Gehirn entsteht
Wenn wir unter Dauerstress stehen, schüttet der Körper die Hormone Adrenalin, Noradrenalin und Cortisol aus. Was viele nicht wissen: Auch eine Unterzuckerung bedeutet für den Organismus extremen Stress und löst dieselbe hormonelle Kettenreaktion aus.
Wird dieses System durch eine kohlenhydratreiche Ernährung und chronischen Stress permanent überfordert, verlieren die Nebennieren ihre Anpassungsfähigkeit. Die Folge:
Die Wochenend-Migräne: In der lang ersehnten Erholungsphase fährt der Körper die Hormonproduktion schlagartig herunter. Tritt nun eine Unterzuckerung auf, können die Nebennieren nicht schnell genug gegensteuern. Es kommt zu einem drastischen Energiemangel im Gehirn – der Migräneattacke.
Schlaf & Wetter: Zu wenig Schlaf hält das Cortisol künstlich hoch, während zu langer Schlaf die Nebennieren im „Ruhemodus“ blockiert. Auch Wetterwechsel (wie Föhnlagen) fordern das ohnehin am Limit laufende Regulationssystem so stark, dass die nötige Energiebalance nicht mehr gehalten werden kann.
Das hormonelle Ungleichgewicht: Cortisol als Schlüssel
Besonders Frauen im gebärfähigen Alter sind von Migräne betroffen, häufig exakt zum Eisprung oder kurz vor der Menstruation.
In einem gesunden Körper gleicht das Stresshormon Cortisol die natürlichen Schwankungen von Östrogen und Progesteron problemlos aus. Wenn Cortisol jedoch bereits dauerhaft damit beschäftigt ist, den Insulinspiegel (aufgrund einer sehr stärke- und zuckerreichen Ernährung) zu regulieren, entsteht ein relativer Cortisolmangel. Das System ist überlastet, kann die hormonellen Spitzen nicht mehr abfangen und reagiert mit einer Attacke.
Wie eng Ernährung, Hormone und Stoffwechsel miteinander verbunden sind, erkläre ich auch in meinem Beitrag Ernährung und Hormone.
Interessanter Fakt: Während der letzten beiden Drittel einer Schwangerschaft nimmt Migräne oft stark ab. Der Grund ist der hohe Progesteronspiegel, der den Energiestoffwechsel stützt und die Nebennieren entlastet.
Die Persönlichkeit: Die Macht der Pausen nutzen
Migränepatienten zeichnen sich oft durch eine sehr gewissenhafte, leistungsorientierte und ordnungsliebende Persönlichkeit aus. Das ständige „Nicht-abschalten-Können“ führt zu einer inneren Anspannung, die sich in der Migräneattacke entlädt einem radikalen „Reset“, bei dem sich der Körper völlig von der Außenwelt abschirmt.
Um diesen Kreislauf frühzeitig zu durchbrechen, hilft die „Macht der Pausen“:
Die Seufzer-Therapie®: Einmal pro Stunde die Arbeit kurz ruhen lassen. Tief einatmen und mit einem Lächeln laut oder leise ausatmen. Danach 30 bis 60 Sekunden normal weiteratmen, innehalten und sich selbst spüren. Diese Mini-Meditation holt das Nervensystem zuverlässig aus der Stressspirale.
Warum seelische Belastungen, Stress und Ernährung körperlich so eng miteinander verwoben sind beschreibe ich auch in meinem Beitrag "Trauma und Ernährung".
Was hilft? Therapie- und Vorbeugungsansätze
1. Soforthilfe im akuten Anfall
Wenn die Attacke beginnt, versucht die Naturheilkunde, das System schnell zu entlasten:
Espresso mit Zitrone: 2–5 Teelöffel Enzian Magentonikum (z.B. von Wala) in einer kleinen Tasse starkem Kaffee oder Espresso mit etwas Zitrone einnehmen.
Senfmehl-Fußbad: Ein handwarmes Fußbad mit frisch gemahlenem Senfmehl (oder scharfem Löwensenf) durchführen, bis eine deutliche Hautrötung eintritt. Danach die Füße mit Lavendelöl einreiben und ruhen.
Anthroposophische Unterstützung: Bei leichteren Attacken ohne starkes Erbrechen kann die stündliche Einnahme von Ferrum-Quarz-Kapseln helfen.
2. Vorbeugung durch Ernährungsumstellung
Da die Ursache in der mangelnden Blutzuckerregulation liegt, ist eine individuelle, insulinarme Ernährung die wichtigste Prophylaxe. Stärkehaltige Lebensmittel (Getreide, Kartoffeln) sollten deutlich reduziert werden. Auch Kuhmilchprodukte können je nach genetischer Prägung den Stoffwechsel belasten. Ziel ist es, den Insulinspiegel dauerhaft niedrig zu halten.
3. Begleitende Naturheilmittel (Auswahl)
Zur langfristigen Unterstützung des Stoffwechsels und der Organe (wie Galle und Leber) kommen in der Praxis oft bewährte Kompositionspräparate zum Einsatz.
Hinweis: Die Anwendung der Kompositionspräparate sollte immer individuell mit einem Therapeuten abgestimmt werden.
Für die Verdauung & Balance: Absinthium/Caryophylli comp. (reguliert die Darmaktivität und stärkt die Verdauungskraft).
Bei Gallen-Bezug: Chelidonium Ferro cultum Rh D3 (regt den Gallenfluss an und optimiert den Eisenstoffwechsel).
Für Nerven & Rhythmus: Ferrum-Quarz Kapseln oder Kephalodoron (stabilisieren gefäßbedingte Kopfschmerzen).
Bei hormoneller Migräne: Gelsemium/Bryonia comp. (entlastet das Nerven-Sinnes-System bei menstrueller Migräne).
Exkus: Mehr über die zentrale Rolle der Leber im Stoffwechsel findest du in meinem Beitrag „Die Leber im Fokus der Epigenetik: Einblicke in ein dynamisches Organ“.
Fazit
Aus ganzheitlicher Sicht ist Migräne keine reine neurologische Fehlregulation oder ein unveränderbares Schicksal. Sie ist das Resultat einer Überforderung des Stoffwechsels durch die moderne Lebensführung. Wer seine Ernährung anpasst, den Blutzuckerspiegel stabilisiert und bewusste Pausen in seinen Alltag integriert, legt die wichtigste Basis, um den schmerzhaften Energiekrisen im Gehirn dauerhaft vorzubeugen.
Herzlichst
Michaela Bisch-Dußmann
_edited.jpg)
